Freitag, 17. Juni 2011

ICH HABE ALLTAG


Das ist jetzt schon der zweite Ansatz für meinen neuen Post, aber so richtig will es mir heute nicht gelingen. Es ist für mich einfach schon so normal geworden im indischen Alltag zurecht zu kommen, zu leben. Eigentlich echt schade… Es gab am Anfang so viele faszinierende Dinge wie die Kühe auf der Straße, die Frauen mit ihren wunderschönen Saris, die Männer mit ihren Lungis, auch das zu Neunzig Prozent immer Sonnenschein ist und das es natürlich immer warm ist. Kaum zu glauben das ich seit Januar keine Strümpfe mehr getragen habe, nur noch Flip Flops trage, mir täglich irgendwelche Schauspieler im Krankenhaus über den Weg laufen, ich täglich Reis esse :( obwohl ich ihn schon gar nicht mehr sehen kann. Wie gerne würde ich wieder in ein Schnitzel von Mayk beißen, die Miniklöse italienischer Art von Emili essen, Omas Frikasé schlemmen,  Gulasch von Regina, Mandys Eierkuchen, Arnes Fladenpizza, Mamas Geschnetzeltes, Gegrilltes mit Knobisoße was im Garten immer am besten geschmeckt hat, Kartoffelsalat, generell Salat *wenn man in Indien einen grünen Salat bestellt bekommt man geschnittene Tomaten, Zwiebeln, Gurken und Möhren und eine halbe Lemon dazu gereicht* und wo ist bitte der grüne Salat? SPAGETTHI MIT GEBRATENEN WÜRSTCHEN...ich weiß es ist noch lange hin bis ich nach Hause komme, aber ich weiß das ich das als erstes Essen werde! Aber auch was für mich am Anfang einfach nur unglaublich schlimm und unvorstellbar war ist nun nicht mehr ganz so Erschreckend. Wie viele Menschen leben in Indien auf der Straße, da fragt keiner nach ob sie Kinder haben, da fragt ach keiner ob sie diese Woche schon was zu Essen hatten. Ich werde egal wo ich hinkomme gefragt und wenn ich diese Frage mit nen Beantworte bekomme ich einen Teller und was zu Essen, egal ob ich hunger habe oder nicht. Ich war zum Beispiel letztens bei Freunden essen, die wohnen zu fünft in einem Hause…Naja eher einem Zimmer von 7qm. Wir haben zusammen Krebs gegessen, super lecker. Ich habe dann natürlich immer ein schlechtes Gewissen, aber wenn ich das Essen ablehnen würde wäre das echt ein Genickbruck, das darf man sich hier in Indien nicht erlauben.  Also wie gesagt, heute will mir einfach nichts so richtig gelingen, aber ich hoffe es war trotzdem ok. Noch eine freudige Nachricht hinten dran. Gestern habe mit Freunden zum ersten Mal wieder Kugeleis gegessen in so nem geilen Laden, so einen könnten sie echt in Deutschland auch mal anschaffen. Ich habe Apfelstrudeleis gegessen, ich hätte mich reinlegen können, man kann sich in diesem Laden sogar die Waffel aussuchen. Man hat 6 verschiedene zur Auswahl.

 

Samstag, 4. Juni 2011

EIN STÜCKCHEN HEIMAT IN INDIEN


                                                              Veranstaltung im Goethe-Institut

Donnerstag, 2. Juni 2011

MEINE WOCHE


Hallo ihr lieben,
es war zwar nur eine Woche doch die Ereignisse häufen sich. Aber erst mal zur letzten Woche und dem mysteriösem verschwinden des Wassers. Bei mir im C.M. gab es 6 Tage kein Wasser und auch in regelmäßig kurzen Abständen für regelmäßig lange Zeit kein Strom und das bei Temperaturen an die 40°C und mehr. Warum das ganze? Die Wasserpumpe ist durchgeschmort. Wie im letzten Blog schon erwähnt musste ich pro nach 20 Rupees abdrücken und Essen musste ich mir ja schließlich auch kaufen. Also waren nach sechs Tagen wieder 50 € weg (nebenbeigesagt bekomme ich nur 100€ im Monat). Erstattet bekommen habe ich nichts, denn es hieß, ich könne ja auch in dem anderen Krankenhaus schlafen, mit einer Patientin im Zimmer, wohlgemerkt mit TBC. Da hab ich doch lieber dankend abgelehnt. AFS India habe ich davon allerdings nichts erzählt, die haben schon genug um die Ohren. Aber nun zu dieser Woche. Am Montag fing unser einwöchiges Teachertraining an, außerdem war ich bei einer hinduistischen Beerdigung. So eine Beerdigung kann bis zu 11 Tage dauern, wie diese. Es gibt einige Regeln zu beachten, z.B. darf man  während dieser Zeit nicht im Hause kochen. Am 10.Tag ist die eigentliche Beerdigung und deshalb kommen an diesem Tag alle zusammen. Im Wohnzimmer (ob das immer so ist, weiß ich nicht) wird eine Feuerschale aufgestellt, ein Priester/Heiliger oder wie man sie auch nennen mag sagt ein Gebet welches ungefähr 1 ½-2 Stunden geht. Bei einem bestimmten Wort wurde Öl, Holz und ich glaube es war die Asche des Verstorbenen von den Angehörigen ins Feuer geworfen. Danach wurde zusammen musiziert und am Abend haben wir zusammen gegessen.
Außerdem war ich an diesem Abend im tamilischen Fernsehen, leider habe ich es verpasst aber vielleicht ergibt sich noch mal eine Gelegenheit.
Am Dienstag wurde ich stolze Besitzerin eines Sandwichmakers. Aber um diese Ding zu bekommen musste ich ganz schön viel schwitzen, drängeln und schubsen und ne Menge Geduld aufbringen. Ich war nämlich im unglaublichen Saravana Store, naja nicht wirklich unglaublich. Ersten ist es ziemlich groß und nirgend steht dran in welcher Etage man was bekommen kann, es sind glaub ich 6 oder 7 Etagen die ich erst mal zu erklimmen hatte. Dann war es ziemlich voll und dann die Kassen. DIE KASSEN *SCHREI* Sowas habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen, so schafft man Arbeitsplätze Leute und man wird einer Kasse zugeordnet. NEIN, man darf sie sich nicht aussuchen!
Ich bin also zur ersten Person, die hat alle Artikel eingegeben, sie in einen Korb getan und mir den Kassenbon ausgehändigt, dann ging es zur zweiten Person welche das Geld kassiert und noch mal geschaut hat ob etwas dazu gekommen ist oder eben auch abhanden und dann ging es zu Person Nummero 3 welche die Sachen in eine Tüte gepackt hat. Und gegebenenfalls gibt es noch eine 4.Person *falls man nach den Prozedere noch Lust hat weiter in diesem Einkaufscenter zu shoppen*bei der man dann die vorher gekauften Sachen wieder abgeben muss, weil man sie in die nächste Abteilung nicht mit reinnehmen darf. Wiegesagt, so schafft man Arbeitsplätze. Auch interessante Job sind z.B. Kaffeehohler oder Automatenticketüberreicher, sprich wenn du in ein Einkaufscenter fährst wo du am Automaten eine Parkkarte erhältst, drückt diese Person auf den Knopf und überreicht dir das Ticket.
einige meiner Sommerkreationen
Zuhause habe ich dann meine neue Familie kennengelernt. Nein ich habe keine Gastfamilie bekommen. In Indien gehört jeder zur Familie, bei den einen fühlt man es nicht und bei den anderen ist man herzlich Willkommen. So auch heute und damit meine ich nicht die Leute neben denen ich seit 4 Monaten lebe, sprich die Krankenschwestern. Meine neue Familie hat mir erzählt dass alle aus meiner Umgebung total begeistert von mir sind, weil ich so freundlich bin. Na wenn das meine Mama liest. Ich glaub sie denkt jetzt das ich vertauscht worden bin im Flugzeug oder das ich einer Gehirnwäsche unterzogen wurde. Am Mittwoch war ich zum ersten Mal beim Daad Chennai, einer Gruppe deutschsprachiger Studenten und Muttersprachler, wobei bei diesem Treffen mehr deutschsprachige indische Studenten als Muttersprachler waren, welche hier im Goethe Institut Deutsch lernen. Der Rest der Woche ist auch schon verplant. Am Freitag gehe ich mit 2 deutschen Freunden ins Theater und am Samstag ist eine Aufführung der Deutschstudenten im Institut. Also mir geht es gut und ihr braucht euch keine Sorgen zu machen.

Mittwoch, 25. Mai 2011

Zwischen Urlaub, Beerdigung, Filmstress…


So ihr lieben heute hab ich es endlich wieder geschafft etwas zu posten. So viel habe ich heute allerdings nicht zu schreiben. Die ersten 4 Monate sind geschafft, nur noch 8 Monate. Nicht das ich dem Ende entgegenfiebere. NEIN, ich freue mich schon auf die nächsten Abendteuer und Herausforderungen.



Die letzten beiden Wochen war ich im Urlaub…Es war mal wieder super schön aus Chennai rauszukommen und ein neues Stück Indien kennenzulernen. Ich habe mir einige Tempel angesehen, habe mir am Strand die Sonne auf dem Bauch scheinen lassen (wenn man es Strand nennen kann!) habe eine Dusche unter heiligem Wasser gehabt ach und noch vieles mehr.
Noch nicht mal einen Tag zurück, schon 2 Tage Stromausfall…und jetzt habe ich seit 4 Tagen kein Wasser mehr. So musste ich wohl oder übel meine Sachen erneut packen und zu meinen Freunden ins Hostel ziehen, als ob ich nicht schon genug Geld für den Urlaub ausgegeben hätte und Essen jeden Tag kommt ja auch noch dazu. Aber man soll sich nicht beklagen und das Beste draus machen!!!
Zwei Tage nach meiner Ankunft ist die Mutter meiner Chefin (die mir einen Schlafplatz gibt, einen wunderschönen Schlafplatz ;)  ) gestorben. Am nächsten Tag war die Verabschiedung, wohin ich eigentlich nicht mitgehen wollte, da ich ihre Mutter erstens nicht kannte und zweitens eigentlich gar keinen Kontakt zu dieser Familie an sich habe. Aber ich wurde mitgeschleift und musste mir die Leiche gezwungenermaßen anschauen, da sie in einem Glassarg aufbewahrt wurde. Als wir zurück zum C.M. Hospital kamen wurde ich von der heutigen Filmcrew angesprochen, ob ich denn nicht in ein paar Szenen mitspielen möchte. Klar, also wird mein Gesicht bald überall in Tamil Nadu zu sehen sein. Na mal schaun.
Insgesamt habe ich jetzt noch knapp eine halbe Woche frei und noch einiges an Arbeit für die Schule zutun, tja wenn man wie ich alles vor sich herschiebt.

Montag, 2. Mai 2011

INDIEN UND SEINE FRAUEN




„Bruder, als du geboren wurdest, schnitten sie die Nabelschnur mit einem Messer aus Gold, aber als ich geboren wurde, nahmen sie einen stumpfen Stein. Bruder, als du geboren wurdest, verteilten sie Gold, aber als ich geboren wurde, gaben sie keinen Heller.“

Meine damalige Klassenlehrerin hat immer gesagt: „Frauen, das starke Geschlecht.“ Und das nicht nur einmal am Tag. Ja das stimmt, nicht neidisch werden Männer. Es wird doch schon lange gesagt das Frauen 7 Jahre länger leben, wenn sie denn als Säugling nicht gerade allen Krankheiten oder was es sonst noch so gibt ausgesetzt sind. Das müsste doch heißen dass es auf der Welt mehr Frauen geben müsste!!! Naja das sieht in Indien ganz anders aus.

„Obwohl Mädchen eigentlich bei der Geburt stärker sind als Jungen, ist die Sterberate ungleich höher. Von Kindern bis zu neun Jahren sterben 60% mehr Mädchen als Jungen. Um dem Mitgiftproblem au dem Weg zu gehen, werden jedes Jahr Abertausende von weiblichen Föten abgetrieben.  Bei einer Untersuchung von 8000 Abtreibungen erwiesen sich 7999 Föten als weiblich.

Im günstigsten Fall kostet eine Fruchtwasseruntersuchung 200 Rupees, in der Regel etwa 500. (1€ ~ 60 Rupees)

Eine Abtreibung kostet ab 100 Rupees, und die Abreibungskliniken werben mit Plakaten in Zügen und auf Bahnhöfen für ihre Dienste.“

Deshalb wurde vor Jahren ein Formular eingeführt, welches die Frauen vor jeder Untersuchung unterschreiben müssen. Dieses Dokument weist darauf hin, das man nicht nach dem Geschlecht des Kindes fragen darf.  Was die Strafe dafür ist, wenn man es doch macht weiß ich nicht. Und wenn dann doch mal ein Mädchen rauskommt, tja dann lässt man es verhungern, verkauft es oder legt es irgendwo ab, wo andere es möglichst nicht finden.  Es gibt natürlich auch Familien denen egal ist, welches Geschlecht ihr Kind hat, klar sonst würde es in Indien schon lange keine Frauen mehr geben.
ich glaub sie hat sich über ihren kleinen wonneproppen gefreut
Also ich halte es nicht wirklich für ein Klischee das Frauen lieber Jungen gebären. Ist ja auch um einiges günstiger. Man muss die Hochzeit nicht bezahlen und auch keine Mitgift (meist Zahlt die Familie der Braut einen Geldbetrag an die Familie des Bräutigams) erbringen.

 „Auch in der indischen Durchschnittsehe geht es nicht gerade locker zu. Die Hauptaufgabe der Frau ist es, zu gebären – vor einer allzu lustbaren Ehefrau fürchtet sich der Mann.
Im Idealfall ist der Ehemann der einzige Mann, der einer indischen Frau jemals nahe gekommen ist: Bis zu Ehe sollte SIE natürlich Jungfrau bleiben, und in der Ehe hat SIE ihm treu und ergeben zu sein.“

Wie kann das sein das eine Frau als Jungfrau in die Ehe geht, wenn bei einer Befragung von 600 Frauen aus der Mittelschicht Delhis zutage kam das 457 von ihnen in der Kindheit sexuell misshandelt wurden???
tochter oder doch nur schwester?
Oft haben die Frauen, zum Teil auch die Männer, kein Mitspracherecht bei der Partnerwahl. Wer entscheidet? Die Eltern. Mann muss nehmen was man bekommt. Stelle ich mir das einmal in Deutschland vor…nee lieber nicht!!! In einigen Bundesländern wie Rajasthan (auch in Ländern wie Nepal oder einigen Teilen Afrikas) zum Beispiel werden sogar Kinder verheiratet. Meist sind die Kinder nicht Älter als 3 - 5 Jahre, sowohl männlicher als auch weiblicher Seits. Üblicherweise ist es so, das sie Braut zur Familie des Bräutigams zieht und dort für den Rest ihres Lebens wohnt. Früher war es auch bei den Kinderhochzeiten so. Also haben sozusagen die Schwiegereltern das junge Ehepaar aufzuziehen. So kam es schon in jungen Jahren zur Schwangerschaft der Frau und somit auch zu körperlichen Einschränkungen, Erkrankungen, naja wie man es halt nennen mag. Eigentlich logisch wenn der körper gerade in die Pubertät kommt und somit noch nicht mal ganz ausgebildet ist.  Mittlerweile haben sie das Alter des Umzuges bis zur Geschlechtsreife verschoben, sprich für die Frauen ab 18 Jahre, für die Männer ab 21 Jahre.

Frauen in Indien haben es nicht leicht, aber sie meistern ihr leben, ob in einem wonnigem Heim oder auf der Straße weil der Mann das Geld versoffen hat. Wenn sie einmal richtig leben sind sie stark auch wenn man es vielleicht von außen nicht sehen kann…


>> einige Zitate aus Kulturschock Indien welches mir in Delhi in die Finger geraten ist